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Kapitel 1 - verregneter Abschied

Es regnet und ich stehe im Matsch.

Ich stehe auf einem Friedhof, irgendwo im Herzen dieser Kleinstadt.

Vor meinen Augen stehen viele traurige Menschen in Schwarz,

ich selbst habe nur eine schwarze Hose und ein weisses Hemd an,

weil ich in der Eile vergessen habe, dass alle meine schwarzen Hemden

in der Wäsche sind. Aber das reicht auch. Man sieht immerhin an meiner schwarzen Hose, dass ich willig war schwarz zu tragen, es aber technisch nicht umsetzen konnte.

Kann ich ja nicht wissen, dass ich nur so wenige schwarze Hemden besitze.

Ich schaue mich um, die Menschen um mich herum starren verloren in die Luft.

Ich spüre die Löcher schon, die sie durch ihr kontinuierliches Starren verursacht haben. Ozonlöcher. Aus diesen ganzen gestarrten Luftlöchern ist bestimmt "das" Ozonloch. Die Welt geht garnicht langsam daran zugrunde, dass überall Schadstoffe herumfliegen, sondern daran, dass alle Welt Löcher in die Luft starrt.

Ich sollte weinen, aber ich denke an Ozonlöcher. Ich kann nicht weinen, du standest mir sehr sehr nahe, aber nun ist das einzige an was ich mich noch genau erinnern kann der Tag an dem du verschwandest. All diese wunderbaren Erinnerungen die wir teilten hast du in einen Briefumschlag deiner Fantasie gelegt und sie mir hinterlassen. Sie steht auf meinem Wohnzimmertisch. Ich habe sie noch nicht aufgemacht. Sie ist ja auch nur ausgedacht. Aber mir kommt es so vor, als stünde sie wirklich dort auf meinem Tisch im Wohnzimmer.

Eine alte Frau stöckelt durch den Schlamm um eine Blume in das tiefe Loch zu werfen. Sie rutscht aus und schlittert. Mit rudernden Armen und hochrotem Kopf versucht sie, sich aus dem Matsch zu befreien. Ich muss grinsen, aber ich verberge es hinter meinem Schal. Der Regen prasselt auf meinen Kopf, ich höre nur Tock Tock Tock. Das Geräusch von Leere. In meinem Kopf ist es leer. Hohl?

Ich habe nicht einmal so viel in meinem Kopf, dass ich mich daran erinnern könnte, was wir zusammen erlebt haben und infolge dessen ein paar Tränen zu verdrücken.

Vielleicht bin ich krank?! Vielleicht kann ich garnicht weinen..

Obwohl, das kann eigentlich gar nicht sein. Als sich Anne von mir getrennt hat, habe ich doch auch geweint. Sehr viel sogar. Ja, eigentlich habe ich Flüsse erschaffen, bestehend nur aus Tränen. Ich habe mein Gesicht darin ertränkt, die Pickel überschwemmt und zu Inseln gemacht. Ich erinnere mich nicht gerne daran.

Wieso habe ich auf deiner Beerdigung allerlei Gedankengänge, doch immer nur solch einen belanglosen Kram? Vielleicht bin ich einfach dafür gemacht mir belanglose Fragen zu stellen. Vielleicht ist das mein persönlicher Sinn des Lebens.

Interessant. Jetzt bin ich dran;

ich werfe die weder rote- noch richtig blühende Rose in das tiefe Loch in dem du dich befindest und stapfe davon.

Tschüss Enno, du warst der beste imaginäre Freund den ich je hatte.

 

Kapitel 2 - Was Mama sagt..

Ich stapfe nach Hause.

Du hättest aber auch mehr sagen können, denke ich.

Egal.

An meiner Wohnung angekommen krame ich missmutig meinen Schlüssel aus der Hosentasche, wobei mir auffällt,ich habe ein Loch in derselben. Jede Hose geht auf kurz oder lang kaputt. Bei mir ist es generell eher auf kurz. Tz.

Ich schliesse auf, der Schlüssel rasselt so schön dass ich noch eine Weile dort stehen bleibe, auf und zu schliesse.

Das Treppenhaus war auch schon mal kürzer denke ich und betrete meine Wohnung.

Freudig mit dem Schwanz wedelnd empfängt mich mein Hund Furzkopf.

Ja, er heisst wirklich Furzkopf. Naja, also eigentlich hiess er Sam und ich habe ihn aus dem Tierheim, aber seiner Lieblingsbeschäftigung nach zu urteilen, passt Furzkopf besser zu ihm. So lange hab ich ihn noch nicht, erst so 6 Monate.

Seine Freude zeigt er mir damit, dass er mir enthusiastisch an's Bein pinkelt.

Lecker. Hach, ich liebe diesen Hund. Er ist genau so ein grobmotorisch wie ich!

Wir sollten uns zusammentun, in einer Art Selbsthilfegruppe für Grobmotoriker;

mein Hund und ich.

Was ein Quatsch, wir leben ja schon zusammen, da sind wir praktisch auch schon eine Selbsthilfegruppe. Eine Selbstbauselbsthilfegruppe. Genau, das sind wir.

Ich gehe in die Küche um mir einen Kaffee zu kochen, den habe ich mir doch jetzt redlich verdient, nach diesem anstrengenden Ausflug auf den Friedhof. Ich hoffe der Tod hat meine Reise nicht bemerkt, sonst kommt er vielleicht noch demnächst mit allerlei Flyern und sonstiger Reklame vorbei und versucht mich vom Friedhof als ruhigem und sonnigem Reiseziel zu überzeugen. Urlaub ohne Wiederkehr. Nein danke, ich kaufe nichts an der Tür.

Der Kaffee schmeckt scheisse. Ich sollte nie wieder den Billigkaffee aus dem Discounter kaufen, Mama hat es mir noch gesagt. "Junge, kauf nicht den Billigkaffee vom Discounter." "Jaa Mutter, ist gut. Also ich muss dann auch scho..."

"Hast du mich gerade Mutter genannt?! Thomas, ich habe dir doch gesagt, wenn du mich Mutter nennst, fühle ich mich so alt!" "Jaa Mutter.. äääh ja Mama, ich verstehe dich. Jedoch muss ich jetzt auch schon wieder.." "Was ist das denn jetzt für ein dummer Spruch, du verstehst mich?! Hast du etwa auch schon Falten und Cellulitis?"

"Cello was? Mama ich hab dir doch schon mal gesagt, ich spiele keine Geige mehr, schon lange nicht mehr." "Cellulitis mein Junge, ist eine Krankheit und kein Instrument. Du bist doch echt blöder als ich dachte..tz tz"

"Na hör mal, das wird mir jetzt echt zu dumm wenn du mir hier vorwirfst ich bin dumm nur weil ich Krankheiten nicht von Musikinstrumenten unterscheiden kann. Wie auch immer, ich lege nun auf Mutter!" "Nenn mich nicht Mutter Tho...."

Aufgelegt.

Mensch, diese Frau ist der Wahnsinn. Ist sie echt meine Mutter?

Mein Vater muss wahnsinnig gewesen sein, als er sie geheiratet hat.

Oder zugekifft. Kiffen. Das wär doch mal wieder was..

Hab ich doch schon lange nicht mehr gemacht. Ich werde nacher mal Jerry anrufen, der ist doch mit sowas immer auf dem neusten Stand.

Ich könnte mich eh mal wieder bei den Jungs melden..

Mhh...mach ich gleich, erstmal duschen gehn; die Beerdigungsstimmung abwaschen.

 

Kapitel 3 - Bla bla bla

Nachdem ich duschen war gehe ich erstmal raus, son' bischen in der Gegend herumlaufen, hab ich ja auch schon lange nicht mehr gemacht.. na gut,eigentlich noch nie. Was ist das?!

Seit ich hier wohne, und das sind jetzt schon sage und schreibe 1 einhalb Jahre, bin ich nicht einmal rausgegangen um mir die Gegend anzusehen. Was hab ich denn stattdessen gemacht?

Mir will nichts einfallen. Aber es kann doch auch nicht sein dass ich eineinhalb Jahre lang Nichts gemacht habe. Warscheinlich habe ich das nur verdrängt. Nur verdrängt, rede ich mir ein und öffne die Haustür.

Ein kalter Frühlingshauch weht mir entgegen und stellt mir die Nackenhaare auf. Brrr denke ich, unter Frühling stell ich mir aber was anderes vor.

Meine Gedanken hängen noch immer an dem Sommer vor zich Jahren, als wir das erste Mal alleine im Urlaub waren, Jerry, Frank, Marci, Jan-Peter und ich. Man, was war das für ein Feeling.

Aber leider hielt das Feeling nicht sonderlich lange an, da wir zu wenig Shit eingepackt hatten, weil Jan-Peter die Kulturtasche mit dem Hasch dagelassen hatte, weil er dachte, wozu brauchen wir schon eine Kulturtasche, Zahnbürsten kaufen wir uns da. Mann, wir waren auf Malle. Aber nach den ersten drei Tagen mussten wir zu den Drogen greifen, weil wir dann doch alle noch So kultiviert waren, auf diesem Saufpartyplaneten nicht länger als 3 Tage zu überleben. Oh, entschuldigung, ich habe kultiviert mit pleite verwechselt. Mein Fehler. Wir hatten kein Geld mehr. Kein Geld mehr für Bier, und der Shit war auch schon weg. Die folgende Woche hingen wir in den Seilen und mit unseren Blicken an den Ärschen von gutaussehenden Weibern, da wir aber schon fertig genug aussahen und unsere Blicke schon fast ausziehend waren, gab uns auch kein einziges von den Weibern 'n Drink aus.

Meine Mutti hat mir mal gesagt, Weiber sagt man nicht zu Frauen, das sei feindlich. Frauenfeindlich.

Hoi joi joi, wo kommen wir denn da hin?! Frauenfeindlichkeit in unserem Land, geht nicht.

Dann lieber raus mit den Ausländern,denke ich, obwohl ich nichts gegen Ausländer habe.

Mein bester Freund und so, Mourad, maaaan was ist denn das für ein Klischee bitte?!

Mein bester Freund heisst Mourad, warscheinlich noch mit Goldkettchen und vierzig anderen Brüdern..

Nein, Mourad ist ein Spießer. Er hat eine Hornbrille und Seitenscheitel und wohnt mit seiner liierten Freundin in einem Reihenhaus in der Nähe der Uni. Oh mein Gott?! Wie kann man sein Leben so wegschmeissen,denke ich und gehe weiter. Aber immerhin ist er mein bester Freund. Nein.

War er mal, jetzt ist er einer dieser Bausparvertragbesitzer die bei der LBS Werbung immer hämisch grinsen und dabei ein: "Hab ich." rausdrücken, so wie damals, als sie die seltensten Panini- Sammelbilder hatten, die die anderen nur irgendwo in Vitrinen angestrahlt und ausgestellt sahen.

 

Kapitel 4 - Urlaubserlebnisse

Wie ich da also über die Vorgärten latsche, extra versteht sich, man will den Spießerm ja eins auswischen, sehe ich diesen Baum mit der kleinen verdreckten Schaukel dran.

Das weckt Erinnerungen in mir. Beschissene Erinnerungen,ey.

Jetzt will jeder wissen was für Erinnerungen, ist ja klar, wenn ich so sag ey hier das weckt schlechte Erinnerungen und so, dann wills ja jeder wissen. Logisch.

Hoch gott,ich denke schon für die Menge, denke ich.

Nun gut, ich laufe also über die Geranien der Spießer und muss an den schrecklichen Urlaub mit meinen Eltern denken, den ich im Harz verbringen durfte, während alle anderen aus meiner Stufe zuhause blieben und im Kanal schwimmen gingen, Bier tranken und Aufreisser spielten. Fuck, und ich musste tatsächlich mit meinen Eltern in den Harz.

Es war die Hölle und genau da passierte das Malör.

Ich, in meiner Verzweiflung laufe auf dem Grundstück auf und ab um irgendeinen Platz zu finden an dem ich meine Ruhe habe, finde eine alte moosbewachsene Holzschaukel, die an einem dicken Ast eines logischerweise och dickeren Baumes hing.

Ich dachte mir, du bist zwar kein Mädchen, aber hier sieht dich eh keiner also rauf auf die Schaukel.

Als ich denn endlich auf dieser verfluchten Schaukel saß und so vor mich hinschaukelte, wohlbemerkt nicht so voller Elan, da ja nur Mädchen schaukeln und es ja schon peinlich genung war überhaupt zu schaukeln hörte ich nur von irgendwo hinter mir eine kleine Mädchenstimme schreien "Mamaaa, da sitzt jemand auf meiner Schaukel!" Ich erschrak zutiefst, da ich nie im Leben damit gerechnet hatte dass mich hier jemand beobachten könnte, schon gar nicht ein kleines Mädchen, und fiel von der Schaukel. Runter in den Schlamm.

Nun reichte das also auch nicht mehr, dass ich von Kopf bis Fuß mit Schmodder besudelt war, nein das Mädchen kam auch noch auf mich zugerannt und zeigte mit seinem eisverschmierten Zeigefinger auf mich, als wäre ich ein Tier oder sowas. Zu heulen fing es dann auch noch an, mit seinem erisverschmierten Zeigefinger und ich im Schlamm. Das reichte mir, ich stand auf und schrie "Halt die Fresse!" als brächte es mir irgendetwas, doch als das Mädel immer noch nicht aufhörte zu kreischen "Mamaaaa da is' ein Schmadderbeschmierter Junge der war auf meiner Schaukel. Auf meiner Schaukel war der, Mamaaa!" baute ich mich vor ihr auf und trat ihr,fiesesterweise,aber was will man als Junge machen der von einem kleinen Mädchen in seiner Ehre gekränkt worden ist, mit größter Wucht gegens Schienenbein.

Das Mädchen sackte zusammen und fing erst richtig an zu heulen. Als ich mir meinr Tat bewusst wurde, kam auch schon die Mutter rausgestürmt, weil sie natürlich im richtigen Moment gesehen hatte dass ein schlammbeschmierter Rotzbengel ihrem kleinen Engel gegens Bein getreten hatte. Die Mutter hatte eine Geschwindigkeit drauf, obwohl sieschätzungsweise hunderttausend Klio wog und aussah wie ein geschminktes Nilpferd. Ich rannte um mein Leben. Ich rannte weg vor einer dicken Schreckschraube und liess mich von ihrem Rotzblag kränken, was war das?

Der Urlaub war für mich mehr als gelaufen, das stand fest. Den Rest des Urlaubs verbrachte ich übrigens mit Kratzeis und Zigaretten und dem Nachbarsjungen auf dem Spielplatz und als ich gerade genung geraucht hatte um mich wieder inigermaßen cool zu fühlen, rief Freddy, mein Freund an und erzählte mir, dass er mit den anderen letze Nacht am Kanal gepennt hatte und was dickes mit Anna am laufen gehabt hätte, was mir die Coolness komplett für immer und ewig und drei Tage entzog.

Ich stand auf Anna, seit der dritten Klasse, als ihr im Sportunterricht einmal das pferdebedruckte T-shirt hochgerutscht ist und sie dabei so rot geworden ist, dass ihr Gesicht aussah wie eine Kirsche, eine süße Kirsche.

Irgendwie ist bisher jeder Urlaub von mir in die Hose gegangen, fällt mir auf.

Vielleicht ist das der Grund, dass ich das Wort Urlaub seitdem aus meinem Vokabular gestrichen hab.

 

Kapitel 5 - der alte Freund und Kupferstecher

Nachdem ich meiner Seele einen Gefallen getan habe und stundenlang durch Vorgärten gehüpft bin, dabei Viva La Revolution gebrüllt und eifrig mein verdi-Feuerzeug geschwenkt habe gehe ich dann nun doch nach Hause.

Der eigentliche Grund für meine plötzliche Lustlosigkeit auf Spießervorgärten herumzuhüpfen ist aber dann doch die schmierige Hundescheiße unter meinem Schuh.

Ich bin zuhause angekommen aber der Kerl, der vor der Haustür hockt und aussieht wie mein alter Klassenkamerad Steffen irritiert mich ein wenig.

Ich beäuge ihn vorsichtig und achte darauf dass ich ihn nicht zu auffällig anstarre, ich meine was wäre denn das für ein Anstand, man starrt Penner nicht an, genausowenig wie man mit dem nackten Finger auf angezogene Leute...und so weiter.

Der Typ, vermutlich Steffen hat die Augen geschlossen und macht irgendwas was mir unter dem Namen Sowas-Von-Supervollrausch - Ausschlafen bekannt ist.

Eigentlich will ich nicht stören, aber es interessiert mich dann doch zu sehr was aus Steffen geworden ist, wenn er das ist, obwohl ich mir aber eigentlich ziemlich sicher bin dass er es ist.

"Suffi?" presse ich leise hervor und warte gespannt auf eine Reaktion.

Suffi deshalb, weil Steffen auch schon damals immer der war, der am meisten vertragen hat.

Suffi oder Steffen oder eben Suffi oder wie auch immer er jetzt heißen mag hebt langsam aber gezielt den Kopf und blickt mir direkt in die Augen. Es ist ein durchdringlicher Blick der mich für einen Moment einfrieren lässt, er zeigt mir mit diesem Blick all seine Abscheu mir gegenüber, denke ich, weil ich eine Wohnung habe und saubere Klamotten, denke ich.

Er starrt mich weiter an. Seine Augen verengen sich und langsam bedroht mich sein Blick wirklich.

Ich hole einmal tief Luft und sage dann: " S..Suffi..bist du das... Ich...Ich bins Thomas,weisst du noch aus deiner Klasse, der... der sich mal die Haare hellblond färben wollte, weil er es bei dir so cool fand und es dann orange geworden ist." Sein Blick hatte sich nicht die Bohne verändert. "Pumuckelorange.." hänge ich noch dran und verstumme dann aufgrund seines Killerblickes.

"Suffi..ja das passt ja. Danke, ihr seit alle Arschlöcher und wart es und werdet es immer sein.."

stößt er nach einer langen Pause seinerseits hervor, aber bricht plötzlich ab.

Ihm steigen die Tränen in die Augen und ich fühle mich peinlich berührt.

"Tut mir Leid, Su..Steffen, ehrlich. Ich hab nicht drüber nachgedacht was ich gesagt habe ich war einfach nur so dermaßen überrascht dich zu sehen. Tut mir Leid, ehrlich."

Ich muss grinsen, weil ich eben SuSteffen gesagt habe und ich das nunmal einfach gerade lustig fand. Ich muss mich hier nicht dafür rechtfertigen was ich lustig finde und was nicht, das ist ein Grundrecht Sachen lustig zu finden,denke ich.

Ich glaube ich bin shizophren. Ich denke immer für die Masse.

Jedenfalls drehe ich mich fluchtartig um und tue so als suche ich jemanden der mich schon seit Stunden verfolgt um ihm nicht zu zeigen, dass ich über seine Situation grinse.

Ist ja auch was mieses, denke ich, über seine Situation zu grinsen, aber eigentlich grinse ich ja auch nicht über seine Situation sondern darüber dass er weint.

Warum denn das? Warum grinse ich darüber dass er weint? "Verdammte Scheiße!" hämmert es in meinem Kopf, du hast auch schon dieses verkappte Weltbild im Kopf, dass Männer nicht weinen dürfen, Thomas na ganz toll, haste wieder toll hingekriegt, obwohl warum eigentlich du, Thomas, eigentlich ja deine Eltern, na tolle Eltern hast du, Thomas, tolle Eltern ganz tolle Eltern..

Mir fällt auf dass ich zu viel denke und dass SuffiSteffen mich wieder anstarrt.

"Ja", sage ich, ja, mehr fällt mir nicht ein. Er starrt immer noch.

Irgendwie tut er mir ja Leid, der Steffen, aber was soll ich machen? Ich könnte ihn zum Beispiel fragen, ob er was braucht, ob ich ihm irgendwie helfen kann oder so etwas.

"Und? Was machst du so?" frage ich stattdessen und könnte mir schon wieder eine reinhauen dafür.

Steffen, der immer noch krampfhaft alle Muskeln seines Gesichtes anspannt um bloß nicht wieder zu weinen anzufangen, richtet seinen mitlerweile nicht mehr nur hasserfüllten sondern jetzt auch noch erstaunten Blick wieder auf mich und sagt: "Was ich so mache? Mh, was mache ich so, Thomas, ich hocke bei dir in der Einfahrt, in der Aufmachung eines Penners, aber nur, Thomas, weil ich die Blumen in den Vorgärten hier ringsrum so schön finde und gerne auf dem Boden sitze, weil ich der Unterschicht so meine Solidarität signalisiere, nicht weil ich vom einen auf den anderen Tag obdachlos geworden bin, meine Wohnung und aufgrunddessen auch noch meine Freundin verloren habe, glücksspielsüchtig geworden bin und mein letztes verdammtes Geld in der Spielhölle losgeworden bin anstatt mir Brötchen zum Stillen meines mordsmäßigen Hungers zu kaufen. Das treibe ich, Thomas."

"Verdammt langer Satz, Steffen.", denke ich. Aber den letzten Teil seines verdammt langen Satzes schreit er nahezu, was mich daran hindert weiterhin über diesen wirklich verdammt langen Satz nachzudenken, was ich öfter mal tue, einfach über Sätze nachdenken, am liebsten natürlich über verdammt lange, und dann auch nicht über meine eigenen, aber auf jeden Fall ließ mich das besonders aggressive Betonen des letzteren Teils seiner Aussage aufschrecken und ihn entgeistert anstarren.

"Naja, Steffen," blubbere ich derweil unüberlegt, "du kannst auch für ein paar Tage bei mir wohnen, bis sich was für dich findet, in der Wohnung natürlich, nicht in diesem versifften Eingang, meine ich. Du weisst schon was ich meine. Das hattest du bestimmt auch vor, ich meine sonst säßest du ja nicht vor meinem Hauseingang wie ein Penner. Also ich meine nicht dass du ein Penner bist, nur.."

"Ja Thomas, klasse, ist schon okay, nenn mich wie du willst, von mir aus auch Penner, oder dreckiger Penner, du Arsch, aber lass dir eins gesagt sein, ich sitz' hier nicht vor deinem Haus oder Eingang oder was weiß ich, weil ich bei dir die Mitleid-nimm-mich-bei-dir-auf - Masche abziehen will. Okay? Ich wusste bis gerade eben nicht mal dass du hier wohnst. Okay?"

Das letztere Okay klang schon nicht mehr ganz so, wie okays normalerweise so benutzt werden, so wie man zum Beispiel sagt: "Ich geh noch weg, bin aber nicht so spät zurück. Okay?", oder "Du gehst jetzt auf dein Zimmer! Okay?" Nein, das zweite war Quatsch, denke ich, wenn man sagt 'Geh auf dein Zimmer!', dann hängt man kein Okay mehr dran, dann verlöre die Aussage oder vielmehr der Befehl ja Hand und Fuß, das kann man ja nicht machen.

 

Ich hatte keine Lust weiter über Hände und Füße und deren Verluste von Aussagen nachzudenken und wollte auch nicht noch eins von Steffens aggressiven Okays abkriegen, also sagte ich ihm dass er ruhig ein paar Tage oder so bei mir wohnen kann, es wird sich schon eine Ecke finden, und er solle nicht mehr so giftig sein, ich wolle ihm ja nichts Böses. Daraufhin lächelte er matt, stand auf und folgte mir hinein.

Was das noch werden sollte, war mir in dem Moment eher weniger bewusst.

Was das noch werden sollte, war mir in dem Moment eher weniger bewusst...

Steffen Suffski, wie ich ihn in meinem Kopf gerne hin und wieder spaßeshalber nenne, wohnt jetzt bereits seit 4 Tagen bei mir und ich bin nicht gewillt diesen infantilen Penner, wie ich ihn ausserhalb meines Kopfes gerne nenne, jemals wieder rauszuschmeißen.

Dieser Kerl ist die größte Bereicherung in meinem Leben, seit der Spionbrille mit der man um die Ecke gucken kann, aus der Mickey Maus damals.

Ich habe sie immernoch, sie liegt sorgfältig zusammengeklappt in der hintersten Ecke meines Nachttischschränkchens, direkt neben all den wichtigsten Sachen, wie Kondomen, Kopfschmerztabletten und einer abgewetzten Schachtel Gauloises für danach, also für die Damen. Die finden die nämlich ganz reizend, die Golloasen, finden die, die denken dann immer ich sei gebildet und ein Frauenversteher. Das ist ein bisschen so wie mit George Clooney, nur dass der gebildet IST und ein Frauenversteher IST er auch. Nicht zu schweigen davon, dass er gut aussieht, und trotzdem tausend Jahre alt ist. Und noch weniger zu schweigen davon, dass er noch jede rumkriegt, und der hat bestimmt auch so eine Nachttischschublade mit Zigaretten drin. Für danach. Ich gehe davon aus.

Eines Tages werde ich auch so enden wie der, mit vielen schönen Frauen in meinem Bett und mir mittendrin. Also im Bett.

Steffen und ich also, wir, das Superteam. Und dann kommt noch mein Hund dazu, Mensch, wir drei, das ist ja beinahe nicht mehr auszuhalten.

Steffen hat Furzkopf beigebracht, wie man Menschen nicht nur ans Bein pinkelt, sondern auch noch schmerzhaft ins selbige beißt. Anhand welchen Beispiels er das gemacht hat, ist mir allerdings ein Rätsel. Aber das ist ja auch völlig egal, denn der Postbote kommt neuerdings nicht mehr.

Der macht einen großen Bogen um unser Haus. Und all die Nachbarn fragen sich jetzt bestimmt, ob der Probleme zuhause hat, der Postbote, oder warum der nicht mehr vorbeikommt? Haha, total witzig, oder? Wir haben die Besatzung unseres ganzen Hauses verarscht, und zwar so dermaßen, dass die sich jetzt alle fragen, ob der Postmän familiäre Probleme hat.

Wir kriegen aber auch neuerdings keine Post mehr. Kommt halt nicht mehr, der Postbote.

Gut, ist halt blöd gelaufen, sag ich mir immer wieder, dass der Steffen dem Furzkopf sowas antrainiert hat, sag ich mir immer, aber, Hey! Scheiß drauf, immerhin kommen dann jetzt auch keine Rechnungen mehr hier an. Und das ist doch fantastisch.

Das findet Steffen auch.

Und der Hund rennt im Kreis, immer seinem Schwanz hinterher. Das nenne ich dann glucksend "schwanzfixiert". Nur in meinem Kopf, natürlich.




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